Unsere
Geschichte

Moderner Linienverkehr
mit Tradition

Seit 2007 ist die Naumburger Straßenbahn wieder täglich in Betrieb und pendelt alle 30 Minuten zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Heute fahren jährlich 300.000 Fahrgäste auf der Strecke von 2,8 km mit. Die Fahrzeuge aus den 1950er und 1960er Jahren des Nahverkehrs in der DDR vermitteln einen Eindruck aus der Zeit, als in Naumburg noch der Straßenbahnring geschlossen war und täglich Tausende von Fahrgästen vor allem zu den Zügen nach Leuna, Halle/Leipzig, Zeitz, Karsdorf oder Jena/Erfurt fuhren.

In Kleinstädten war damals die Straßenbahn als ein leistungsfähiges Verkehrsmittel für die Erreichbarkeit eines Bahnhofs nichts Ungewöhnliches. Heute sehen wir am Beispiel von Naumburg, dass die Straßenbahnverbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt nichts an ihrer Attraktivität eingebüßt hat:

Emissionsfrei, zuverlässig, schnell und trotzdem mit dem Charme der Entschleunigung einer Kleinstadt, in einer Genussregion für Geschichte, Gaumen, Natur und Kultur. Immer wieder erhalten wir Rückmeldungen positiv überraschter Fahrgäste zu unserem Service an Bord und zur harmonischen Integration der Straßenbahn in das vor allem historisch geprägte Stadtbild. Lassen auch Sie sich verzaubern und steigen Sie ein! Digital sind wir auf der Höhe der Zeit. Und wenn Sie eine Frage haben, wenden Sie sich bitte an unsere freundlichen Fahrerinnen und Fahrer!

Die Naumburger
Straßenbahn GmbH

Die Naumburger Straßenbahn GmbH wurde 1994 gegründet und ist das einzige privat geführte Straßenbahnunternehmen Deutschlands. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Aufgabenträger für den kommunalen Öffentlichen Personennahverkehr ist der Burgenlandkreis. Für einen Teil des Straßenbahnangebots verfügt die GmbH über eine Dienstleistungskonzession des Burgenlandkreises, für einen weiteren Teil steht die GmbH in Verhandlungen mit der Stadt. Die Stadt Naumburg ist Eigentümerin der Gleisanlagen mit Haltestellen, Oberleitung und Bahnstromversorgung sowie des Depots am Heinrich-von-Stephan-Platz. Die Naumburger Straßenbahn GmbH pachtet diese Anlagen und führt den Straßenbahnbetrieb mit eigenen Fahrzeugen aus. Das Land Sachsen-Anhalt gewährt Finanzhilfen für den Straßenbahnbetrieb nach dem ÖPNV-Gesetz des Landes und fördert im Rahmen der Möglichkeiten auch den Erhalt historischer Fahrzeuge und Anlagen. Die Stadt Naumburg übernimmt einen Pauschalbetrag zu Wartung und Erhalt der Infrastruktur durch die Naumburger Straßenbahn GmbH.

Die Geschichte der Naumburger Straßenbahn führt bis in das Jahr 1889 zurück.

Die Naumburger Straßenbahn GmbH ist ohne die enge Verbindung mit den Nahverkehrsfreunden Naumburg-Jena e.V. undenkbar. Die engagierte ehrenamtliche Arbeit hilft nicht nur in der Bewahrung und Aufarbeitung der interessanten Straßenbahn-Geschichte, sondern auch wenn die Gleise voller Schnee und Eis sind oder Veranstaltungen für die Fahrgäste vorzubereiten und durchzuführen sind.

Weitere Informationen gibt es bei ringbahn-naumburg.de.

Unsere Geschichte

Verbindung zwischen Bahnhof und Stadtzentrum

Im Jahre 1865 fuhr zwischen Berlin und Charlottenburg die erste Straßenbahn Deutschlands, bereits ein Jahr später wurde in der Naumburger Zeitung der Vorschlag veröffentlicht, auf der Strecke vom Bahnhof über den Salzberg eine Pferdeeisenbahn zu bauen. Schon 1846 erhielt Naumburg den Anschluss an die Thüringer Eisenbahn mit einem Bahnhof, der damals weit vor den Toren der Stadt lag. Doch erst 1889 wurde der Plan angenommen, eine Dampfstraßenbahn vom Bahnhof über Jägerplatz, Markt und Wenzelstor nach Almrich zu bauen. Die Konzession dafür wurde am 07.10.1891 erteilt. Im Mai 1892 wurde die Naumburger Straßenbahn Aktiengesellschaft gegründet, bei der viele Naumburger Bürger Gesellschafteranteile übernahmen.

Kurz nach Gründung der Aktiengesellschaft konnte innerhalb von nur elf Wochen die gesamte Strecke zwischen Bahnhof und Wenzelstor gebaut werden, am 15.09.1892 wurde der Dampfstraßenbahnverkehr feierlich eröffnet. Kapitalmangel verhinderte allerdings die volle Ausnutzung der erteilten Konzession bis zum Ortsteil Almrich.

Der Begriff der „Wilden Zicke“ nahm damals ihren Anfang: Die engen Radien und die Bauart der Lokomotiven sorgten für einen unruhigen Fahrtverlauf, ähnlich wie bei einem Gespann mit einer wilden, etwas bockigen Ziege. Der Unterbau des Gleises war für die schweren Dampflokomotiven eine Fehlplanung, häufig kam es zu Entgleisungen. Eine Tätigkeit in der Verwaltung der Dampfstraßenbahn versprach eine besondere Würde, deshalb blähte sich der Verwaltungsapparat auf und stand in keinem Verhältnis zur Zahl der eingesetzten Züge. Schon im Jahre 1900 musste die Gesellschaft in Liquidation gehen.

Da alle Versuche scheiterten, das Unternehmen zu retten, wurde die Bahn am 01.10.1900 in das vollständige Eigentum der Stadt Naumburg übernommen. Der gute Ruf einer elektrisch betriebenen Straßenbahn war auch nach Naumburg gedrungen, schließlich versprach eine Elektrifizierung der Bahn auch den Einzug der Elektrizität in die Stadt. Für die Dampfbahn gab es nun eine moderne Alternative.

Mit dem Beschluss einer Umstellung der Dampfstraßenbahn auf eine elektrische Straßenbahn entstand in der Weißenfelser Straße das dafür notwendige Elektrizitätswerk, dessen Turbinenhaus heute als „Kunstwerk Turbinenhaus“ sichtbar geblieben ist.

Nach kurzer Bauzeit nahm die elektrische Straßenbahn am 02.01.1907 auf der Strecke Bahnhof – Markt – Salztor den Betrieb auf. Sie verkehrte von 6.30 Uhr bis 0.30 Uhr in beiden Richtungen im 20-Minuten- Takt.  Der Fahrpreis betrug 10 Pfennige je Fahrt. Die Triebwagen fuhren schaffnerlos, so dass das Fahrgeld von den Fahrgästen in einen Zahlkasten entrichtet werden musste. 1908 erfolgte eine Erweiterung bis zum Michaelistor. Statt einer früher geplanten Weiterführung nach Almrich wurde 1914 die Strecke über den Moritzberg und entlang der Moritzwiesen zum Bahnhof geführt. Damit war ein Ring geschlossen, der die Stadt in ihrer damaligen Gestalt ideal mit dem Nahverkehr erschloss.

Der Erste Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen setzte einen Schlussstrich unter jegliche Weiterentwicklung des Straßenbahn-Ausbaus. Der Zustand blieb außer einem neuen Triebwagen bis zum Zweiten Weltkrieg unverändert.

Bei Angriffen der amerikanischen Bomber am 12.04.1945 wurden auch die Straßenbahn am Postring getroffen. Schon am 12.09.1945 konnte nach erstaunlich kurzer Pause der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden, vorerst nur in einer Richtung des Rings.

In den ersten Jahren nach Gründung der DDR gab es Verbesserungen bei der Naumburger Straßenbahn. So wurde bereits am 01.Mai 1951 das erste von zwei Neubaufahrzeugen in Betrieb genommen. Eine neue Gleichrichterstation wurde 1955 errichtet und die Werkstatt modernisiert, der alte Wagenpark durch acht einheitliche, umgebaute Triebwagen aus Leipzig ersetzt. Deren Fahrgestelle und Motoren stammten noch von 1913! Diese Typenreinheit bescherte aber dem Betrieb eine günstigere Instandhaltung. In den Spitzenzeiten kamen sieben Triebwagen zum Einsatz.

1959 konnte nach vierzehnjähriger Pause auch wieder in beiden Richtungen gefahren werden. Zwei Beiwagen trafen 1960 / 61 ein, welche schaffnerlos und nur für Zeitkarteninhaber betrieben wurden. Fast alle Haltestellen erhielten neue Wartehallen des Typs „Berlin“.

Nach und nach mussten die Leipziger Triebwagen durch gebrauchte Fahrzeuge aus Halle ersetzt werden. Der Beiwagenbetrieb endete Anfang der 70er Jahre wieder. Gleisanlagen und Triebwagen wurden auf Verschleiß gefahren, eine Stilllegung wie in anderen kleineren Städten stand im Raum.

Der Erdölkrise vom Herbst 1973 und den Protesten der Naumburger Bevölkerung ist es zu verdanken, dass der Bahnbetrieb bestehen blieb. Es gab sogar Erweiterungspläne. Einen Einschnitt für die Straßenbahn bedeutete aber die Umgestaltung der Herrenstraße und der Jakobstraße zur Fußgängerzone. Welche Bedeutung Öffentlicher Personennahverkehr für die Erschließung einer Fußgängerzone hat, war vielen Planern in Ost- und Westdeutschland damals nicht bewusst. So wurden der Naumburger Straßenbahn die wichtigsten Altstadt-Ziele in Dom-Nähe am Lindenring und auf dem Markt genommen. Zunächst trennte man im April 1976 den Straßenbahn-Ring, 1980 konnte durch den Bau eines Lückenschlusses zwischen Poststraße und Curt-Becker-Platz entlang des Marienringes die Straßenbahn wieder im Ring fahren.

Die Stabilität der Bahnanlagen und des Fahrzeugparks verschlechterte sich bis zum August 1979 weiter, dann kam der Bahnbetrieb zum völligen Stillstand. Innerhalb eines Monats wurden der Wagenpark und Gleiskörper behelfsmäßig überholt.

Zu Beginn des Jahres 1982 wurde die Straßenbahn aus der Verantwortung der Stadt Naumburg herausgelöst und dem VEB Kraftverkehr Zeitz als Bereich untergeordnet. Da die bezirksgeleiteten Kraftverkehrsbetriebe der DDR vor allem an ihren Leistungen im Güterkraftverkehr gemessen wurden, geriet der Personenverkehr bei Investitionen, Personalbedarf, Wartungs- und Reparaturkapazitäten auf hintere Plätze.

Ab dem 29.01.1986 musste der gesamte Bahnbetrieb abermals völlig eingestellt werden, nun jedoch für 18 Monate. Die Gleisanlagen wurden erneut nur behelfsmäßig überholt, dafür entstand ein neues Bahnstrom-Unterwerk, das bis heute störungsfrei seinen Dienst versieht. Ab Juni 1987 war wieder ein 10-Minuten Takt möglich, allerdings nur in einer Richtung. Das  Zahlkasten-System wurde endlich durch ein Entwerter-System für Fahrkarten im Vorverkauf abgelöst. Die alten Zahlkästen öffneten dem Betrug Tür und Tor. Das Wichtigste war ein Klappergeräusch beim Einwurf. Ob wirklich der richtige Fahrpreis entrichtet wurde, konnte meist nicht nachvollzogen werden.

Ende 1987 fuhren erneut Beiwagen mit, um das Fahrgastaufkommen von rund 8.000 Fahrgästen pro Tag zu bewältigen. Dafür wurden 1988 zwei Straßenbahnzüge aus Plauen überführt.

Die Zeit der politischen Wende stellte die Zukunft der Naumburger Straßenbahn grundsätzlich in Frage. Mit den neu verfügbaren Pkw und einer großen Arbeitslosigkeit halbierten sich die Fahrgastzahlen. Der Investitionsstau angesichts des Verschleißzustands an Wagen und Anlagen war erdrückend. Die Mittellage der eingleisigen Strecke inmitten vielbefahrener Straßen war verkehrsrechtlich schon zu DDR-Zeiten riskant, nach bundesdeutschem Recht aus gutem Grund untragbar. Aus bundesdeutscher Planungslogik ergaben sich keinerlei Sachargumente, in einer solch kleinen Stadt weiter einen Straßenbahnverkehr zu betreiben. Das Ende der Straßenbahn schien unvermeidlich.

Doch die Naumburgerinnen und Naumburger waren bereit, für ihre Bahn zu kämpfen. Sie wussten genau, was ein gutes Angebot auch für eine Nachfrage erzeugen kann. Das Thema Nachhaltigkeit ist keine Schöpfung der Gegenwart, sondern war schon damals eine ernst gemeinte Motivation für den Erhalt der Straßenbahn. Eine Initiativgruppe zur Rettung der Straßenbahn sammelte Unterschriften, Rundbriefe machten auf die Folgen einer dauerhaften Betriebseinstellung aufmerksam.

Mehrere benachbarte Straßenbahnbetriebe waren bereit, Gleis- und Fahrleitungsmaterialien sowie Fahrzeuge dem Betrieb kostenlos zur Verfügung zu stellen, um eine Brücke in die Zukunft zu bauen. Viele Hilfsangebote liefen aber ins Leere, weil nicht einmal die Eigentumsfrage geklärt war. Noch waren die einheitlichen gesetzlichen Regelungen für eine transparente Finanzierung des Nahverkehrs in Deutschland nicht getroffen.

In dieser unglaublich turbulenten Zeit wurden dennoch neue Gleise in der Jäger- und Bahnhofstraße verlegt und zwei gebrauchte Triebwagen beschafft. Weil aber das lobenswerte Votum der Stadt für den Erhalt der Straßenbahn finanziell nicht untersetzt war, mussten begonnene Gleisbauarbeiten abgebrochen werden, so dass eine Betriebsaufnahme nicht mehr möglich war. 1993 wurde zwar ein neuer Stadtbusverkehr mit drei Linien eingeführt, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ging dennoch stark zurück.

Da weder die Stadt Naumburg noch der Landkreis die Naumburger Straßenbahn in ihre Zuständigkeit und ihren Besitz übernehmen wollten, gründeten engagierte Bürger 1994 die private Naumburger Straßenbahn GmbH, die die Verkehrsanlagen aus dem Besitz der Stadt Naumburg langfristig pachtete. Die GmbH wird seitdem tatkräftig unterstützt vom Verein zur Erhaltung historischer Fahrzeuge und Verkehrsanlagen e.V. sowie vom Verein der Nahverkehrsfreunde Naumburg – Jena e.V.

Um einem Erlöschen der Betriebserlaubnis zu begegnen, wurde seit 1994 ein tageweiser Betrieb auf einem Reststück der Strecke angeboten, das Depot bildete dafür den Ausgangspunkt. Schrittweise wurde dieses Reststück immer länger, von 250 Metern 1994 auf 2.8 Kilometer heute. Im Dezember 1998 vereinbarten Stadt und Straßenbahn GmbH einen neuen Vertrag. Da die Stadt keine Möglichkeit sah für eine Wiederinbetriebnahme des Ringbahn-Verkehrs über die B 87 entlang der Weimarischen Straße, einigten sich die Gesellschafter der Naumburger Straßenbahn GmbH und die Stadt Naumburg auf einen Kompromiss: Die GmbH verzichtete auf den Streckenabschnitt Salztor – Moritzberg – Hauptbahnhof, dafür erklärte sich die Stadt Naumburg bereit, die Wiederinbetriebnahme der Strecke vom Hauptbahnhof bis zum Salztor zu unterstützen.

Am 30. März 2007 eröffnete die Naumburger Straßenbahn GmbH auf eigenes Risiko einen täglichen Betrieb, befristet bis zum 31. Oktober 2007. Die Finanzierung der ungedeckten Kosten erfolgte aus privaten Mitteln. Das Land Sachsen-Anhalt beteiligte sich an den ungedeckten Kosten eines Probebetriebs.

Da sich die Zahl der beförderten Fahrgäste während des vierjährigen Probebetriebs stetig erhöhte, nahm das Land Sachsen-Anhalt eine zusätzliche Förderung in das ÖPNV-Gesetz auf. Eine anteilige finanzielle Beteiligung des Burgenlandkreises als Aufgabenträger erfolgt seit 2025.

Galten 2007 noch 150 tägliche Fahrgäste als erstrebenswertes Ziel, waren es 2025 häufig bis zu 1.000 tägliche Fahrgäste, Tendenz weiter steigend.

2022 hielt die Digitalisierung auch bei der Naumburger Straßenbahn Einzug: Die auf den Triebwagen mitgeführten Smartphones liefern Echtzeit-Daten an das Fahrgast-Information der NASA GmbH Magdeburg, der landeseigenen Nahverkehrs-Servicegesellschaft. Diese speist sowohl die Plan- als auch die Ist-Daten in die elektronischen Fahrgastinformationssysteme ein. Dadurch ist die Straßenbahn Teil digitaler Reiseketten und die Anzeigen an den Haltestellen ermöglichen aktuelle Informationen zum Betriebsablauf.

Mit der Einführung des Deutschland-Tickets 2023 nahm die Naumburger Straßenbahn auch eine digitale Fahrgastkontrolle für Barcodes und Chipkarten per Smartphone in Betrieb. Durch die hohe Prüfquote kann der Missbrauch von Deutschland-Tickets in der Bahn deutlich eingeschränkt werden.

Nach der Sanierung der baulichen Hülle des Straßenbahn-Depots durch die Stadt Naumburg ist diese ehemalige Reithalle der preußischen Jäger-Kaserne und früherer Lokschuppen der Dampfstraßenbahn heute ein Schmuckstück am Heinrich-von-Stephan-Platz. 2025 gingen die Bauarbeiten im Inneren weiter.

In den vergangenen Jahren wurden die meisten Bahnsteige mit Blindenleiteinrichtungen, einer Bahnsteigkante in Höhe der vorletzten Einstiegsstufe der Triebwagen, Wartehallen und dynamischer Fahrgastinformation ausgerüstet. Es fehlen nur noch die Haltestellen Wiesenstraße und Jägerplatz. Nach den Erfahrungen der Kirnitzschtal-Bahn in Bad Schandau hat die Naumburger Straßenbahn Faltrampen gestiftet bekommen, die den Zustieg mit Rollstühlen ermöglichen sollen. Da die Breite des Bahnsteigs an der Vogelwiese den Einsatz von Faltrampen nicht erlaubt, wird an einem Wechsel der Bahnsteigseite gearbeitet. Dann wäre die Naumburger Straßenbahn weitestgehend barrierefrei. Dennoch ist Barrierefreiheit auf andere Weise schon seit 2007 gelebte Realität: Fahrgäste mit Beeinträchtigungen, mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck vertrauen sich ganz selbstverständlich dem Fahrpersonal an, das routiniert und diskret beim Ein- und Aussteigen hilft. Allein dieser zuverlässigen Erfahrung ist es zu verdanken, dass so viele Menschen mit großen Einschränkungen täglich mitfahren. So lange die Aufarbeitung und Hauptuntersuchung des Triebwagens 29 noch nicht abgeschlossen ist, wird weiterhin ein Triebwagen mit schmalen Türen im Einsatz sein. Dieser lässt eine Mitnahme von Rollstühlen nicht zu. Zur 1.000 Jahrfeier Naumburgs 2028 wird dann regulär die Mitnahme von Rollstühlen und die Nutzung von Faltrampen möglich sein.

Der Restbestand der ehemaligen Ringbahn ist bis auf den Abschnitt Poststraße/Jägerplatz saniert und damit vorbereitet für den Betrieb der nächsten Jahre.

Aktuell werden folgende Projekte vorbereitet:

  • Ersatz der Fahrleitung am Marienring und Austausch der Betonmaste gegen historisch nachempfundene Stahlgittermasten
  • Wiederaufbau der Begegnungshaltestelle für zwei Züge am Jägerplatz
  • Gleiserneuerung Poststraße mit Schaffung eines besonderen Bahnkörpers
  • Regelkonformer Ausbau des Bahnsteigs an der Haltestelle Wiesenstraße
  • Einführung Faltrampen 2028
  • Vorhaben Fahrzeuge HU TW + BW
  • Digitaler Vertrieb Projekt NASA

Angesichts der klimatischen und sozialen Herausforderungen hat die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Damit sich dieser Wandel auch in den Konzepten der Naumburger Straßenbahn widerspiegelt, hilft uneigennützig ein Netzwerk führender Beratungsbüros für Nahverkehrs- und Bauplanung, Wirtschafts- und Unternehmensberatung, Stadt- und Regionalplanung und Denkmalpflege bei der Diskussion strategischer Empfehlungen. Geschäftsführungen großer und kleiner deutscher Verkehrsunternehmen unterstützen mit ihren praktischen Erfahrungen in Planungs- und Alltagsfragen. Eine der interessantesten Schlussfolgerungen lautet: Selbst in einer Kleinstadt kann man den Erhalt und den Ausbau einer vorhandenen Straßenbahn empfehlen, wenn dafür, wie in Naumburg, entsprechende Voraussetzungen vorliegen. Die bisherige sehr starre Zuordnung von Verkehrsmitteln zu Siedlungsstrukturen orientierte sich nicht an der Größenordnung von Verkehrsströmen, sondern vor allem an Fläche und Bevölkerung.

Heute hält alle 6 Minuten ein Zug in Naumburg, ein deutlicher Anstieg der Bedienungshäufigkeit für die Stadt. Wurden 1987 bei einem 10 Minuten-Takt noch rund 8.000 Fahrgäste am Tag befördert, sind es heute bei einem 30 Minuten-Takt bis zu 1.000 Fahrgäste. Das Ziel eines bundesweiten Deutschlandtakts besteht in einer Verdopplung der Fahrgastzahlen. Für die Naumburger Straßenbahn ist dies bei entsprechendem Angebot erreichbar, zumal die ÖPNV-Nutzung bei Tagesbesuchern in Naumburg unterdurchschnittlich ist. Mehr Fahrgäste bedeuten eine deutlich höhere Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, weil die Fixkosten für Verwaltung und Werkstatt bei mehr Angebot nicht linear mitsteigen. Ein erster Schritt wäre die Schaffung von Wendemöglichkeiten für einen Beiwagenbetrieb, um zunächst vor allem große Nachfragespitzen besser bewältigen zu können. So wünscht sich die Naumburger Straßenbahn GmbH für die Umfahrung des Bahnhofsquartiers mit Theateranschluss eine möglichst baldige vorbereitende Planung.

2021 legte die Naumburger Straßenbahn zusammen mit einem Unterstützerkreis eine Vorstudie zu einer Fortschreibung des Verkehrskonzepts für den ÖPNV in Naumburg-Bad Kösen vor. Diese basiert auf einer Untersuchung der TU Braunschweig von 2020 zu Varianten eines Lückenschlusses der Naumburger Straßenbahn. Auftraggeber dafür war der Burgenlandkreis.

Kern der Überlegungen ist ein Ringschluss zwischen Salztor und Poststraße über den Lindenring sowie eine Umfahrung des Bahnhofsviertels über das neue Theater am Markgrafenweg. Die geplante Haltestelle Lindenring für Dom und Markt wäre bei einer Fahrzeit von 7 Minuten ab Hauptbahnhof ein unschlagbares Angebot. Diese Variante bietet die größte Steigerung der Fahrgastzahlen bei kleinstem Investitionsaufwand und sinkenden Betriebskosten. Ergänzend wird das Konzept durch den Vorschlag eines integrierten Bus- und Straßenbahnkonzepts.

Spenden

Verein zur Erhaltung historischer Fahrzeuge und Verkehrsanlagen e. V. bittet um Spenden 

Die Naumburger Straßenbahn GmbH ist eine privat geführte Gesellschaft, die aus anderen Einkünften keine weiteren Finanzmittel, z.B. für die Bereitstellung von Eigenmitteln für öffentliche Förderungen, erwirtschaften kann. Deshalb gründete sich 1996 der Verein zur Erhaltung historischer Fahrzeuge und Verkehrsanlagen e. V., um vor allem historische (Schienen-) Fahrzeuge zu pflegen, zu restaurieren und auszustellen oder Baumaßnahmen zu realisieren.

In den vergangenen Jahren konnten solch bedeutende Projekte wie die umfassende Instandsetzung des Triebwagens 38, die Streckenverlängerung von der Vogelwiese zum Salztor oder die Weichenerneuerungen vor dem Depot angeschoben, begleitet und abgeschlossen werden. Großes ehrenamtliches Engagement gepaart mit großzügigen und zahlreichen Spendern führten letztlich stets zum erfolgreichen Umsetzen der einzelnen Vorhaben. Dieser Erfolg motiviert, weitere Ziele anzugehen: der weitere Um- und Ausbau und Erweiterung der vorhandenen Gleisanlagen, die (Wieder-) Aufnahme eines Beiwagenbetriebs.

Mit einer Spende können Sie unsere Projekte finanziell unterstützen. Wir freuen uns daher über jeden noch so kleinen Beitrag auf dem Vereinskonto.

Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut e. G.
IBAN: DE45 8006 3648 1000 6362 00

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